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#77 Heilung beginnt, wenn die Liebe in dir erwacht

Ein Erfahrungsbericht über Trauma-
und Innere-Kind-Heilung durch Selbstliebe


Aufgewachsen in einer Sekte erlebte ich eine traumatische Kindheit mit Gewalt auf körperlicher, psycho-emotionaler und sexueller Ebene, bis ich mit 14 Jahren aus der Sekte ausschließen ließ und somit alles verlor – meine Familie, meine Freunde, mein ganzes bisheriges Leben. In der Folge bekam ich Panikattacken, eine generalisierte Angststörung, Depressionen, posttraumatische Belastungsstörung, psychosomatische Beschwerden, Bandscheibenvorfälle in der LWS und HWS, ich erlitt einen schweren Autounfall und hatte Gebärmutterhalskrebs. Nachdem sich meine Schwester gemeinsam mit ihrem Sohn 2015 das Leben nahm, brach mein System komplett zusammen und ich machte mit aggressiven Zwangsgedanken Bekanntschaft und hatte keine Kraft mehr zu leben. Dies war gleichzeitig die schlimmste, aber auch die wundervollste Zeit in meinem Leben, denn ab diesem Zeitpunkt verwandelte ich mich und mein komplettes Leben, indem ich anfing, mich selbst zu lieben.

Der Tiefpunkt in meinem Leben

2015 hatte ich den Tiefpunkt in meinem Leben erreicht. Der erweiterte Suizid meiner Schwester, gemeinsam mit ihrem Sohn, zog mir den Boden unter den Füßen weg. Meine Kindheit in einer Sekte mit körperlicher und emotional/seelischer Gewalt legte den Grundstock für meine späteren psychischen Erkrankungen. Ständig hatte ich Angst vor dem drohenden Tod.

Mein Vater Alkoholiker, meine Mutter selbst depressiv, meine Schwester bereits in der Jugendzeit suizidal und mein Bruder – eine eigene Geschichte für sich. Seit ich denken kann, war mein Leben von Ängsten, Unsicherheit und der Furcht zu sterben, geprägt.

Mit meinem Ausschluss aus der Sekte im Jugendalter war ich von heute auf morgen auf mich allein gestellt. Niemand redete mehr mit mir. Selbst meine Eltern haben bis heute keinen Kontakt mehr zu mir.

Zu dieser Zeit hatte ich zum ersten Mal Panikattacken. Sie steigerten sich im Laufe der Jahre zu einer generalisierten Angststörung mit Todesangst. Im weiteren Verlauf gesellten sich depressive Phasen hinzu.

Das Leben war für mich schwer, anstrengend, voller Leid. Etwas, dass ich ertragen und
aushalten muss, aber nichts, das Spaß macht.

2014, im Alter von 34 Jahren, war ich meines Lebens im wahrsten Sinne des Wortes müde. Ich hatte einen schweren Autounfall. Ich schlief bei 150 km/h auf der Autobahn ein. Geht es noch lebensmüder? Wie durch ein Wunder überlebte ich, entkam knapp der Querschnittslähmung und kam mit einem gebrochenen Lendenwirbel davon. Doch auch das reichte noch nicht aus, um mich wachzurütteln. Dazu brauchte es die ganz große Erschütterung im Jahr 2015. In der Nacht, in der meine Schwester sich mit ihrem Sohn das Leben nahm, begannen meine aggressiven Zwangsgedanken. 24 Stunden rund um die Uhr immer wieder dieselben Gedanken: „Ich muss mich umbringen.“ Und die überwältigende Angst, jemand anderen eventuell aus Versehen umgebracht zu haben.

Die glückliche Wendung meiner Geschichte

Manchmal muss ein System erst komplett zusammenbrechen, damit es
sich völlig neu finden, neu sortieren und neu aufbauen kann.

Alles hat sich verändert. Nichts ist mehr so, wie es vorher einmal war – und das ist auch gut so. Damals habe ich das natürlich nicht so gesehen. Viel zu tief steckte ich in meinen erlebten Traumata, meiner Trauer und meinen Emotionen fest. Aber heute kann ich sagen, dass in jedem Ende auch ein neuer Anfang und die Chance der Veränderung steckt. Ich bin von Grund auf, ein lebensfroher, optimistischer Mensch und sage „Ja“ zum Leben. Das war auch der erste Schritt in Richtung Heilung: Die bewusste Entscheidung: Ja, ich will!

Ja, ich will leben.
Ja, ich will wieder glücklich sein.
Ja, ich bin bereit zu heilen und zu lernen, mich selbst zu lieben.


Wenn wir etwas in unserem Leben verändern wollen ist es wichtig, dass wir die bewusste Entscheidung für die Veränderung treffen. Das „Ja“ zu uns selbst, öffnet den Weg in Richtung Heilung.

In dem Moment, in dem wir Ja zu uns selbst, zum Leben und zur Veränderung sagen, übernehmen wir automatisch die Verantwortung für unsere Situation, unsere Krankheit und somit auch für unseren Weg der Heilung. Wir sind nicht länger im Opfermodus oder darauf angewiesen, von jemandem im Außen geheilt zu werden, ganz nach dem Motto: „wenn xyz sich anders verhält“ oder „wenn dieses oder jenes anders wäre, dann könnte ich endlich gesund, glücklich und in Frieden sein“.

Mit dem Ja zur Heilung holen wir uns die Macht in unser Leben zurück, selbst etwas zu verändern. Und das fühlt sich großartig an.

Was mir auf meinem Heilungsweg geholfen hat

Die Meditation war für mich das größte Heilungsgeschenk, denn dort fand ich eines Tages „per Zufall“ mein Inneres Kind. Ich war zutiefst erschüttert, als ich feststellte, dass dieses wundervolle kleine Wesen, das fast im Meer ertrunken und nun leblos am Strand lag, mehr tot als lebendig, ich selbst bin.

Als mir dies bewusst wurde, gab ich meinem Inneren Kind ein Versprechen:

Ich verspreche dir, dich nie wieder im Stich zu lassen. Es tut mir leid, dass ich mich all die
Jahre nicht um dich gekümmert habe. Es tut mir leid, dich so lange nicht gehört, gesehen
und wahrgenommen zu haben. Es tut mir leid, dass ich dich fast sterben ließ. Bitte verzeih
mir. Ich werde von nun an immer an deiner Seite sein und auf dich Acht geben. Du musst
nie wieder Angst haben, du bist nicht mehr alleine, denn jetzt bin ich da um dich zu
beschützen. ES TUT MIR LEID. ES IST NICHT DEINE SCHULD. ICH LIEBE DICH.

Als ich anfing, mit meinem Inneren Kind in Kontakt zu treten, verstand ich jeden Tag mehr und mehr, dass all mein emotionales und seelisches Leid seine Wurzel in der Kindheit hatte. Nie hatte ich gelernt mit meinen Ängsten, meiner Wut und allen anderen Emotionen umzugehen. Nie hatte ich gelernt, meine Bedürfnisse, die hinter diesen Gefühlen stecken, wahrzunehmen. Nie hatte ich gelernt, liebevoll mit mir selbst zu sein.

Ich begann, mir selbst in einer gnädigen, verständnisvollen, mitfühlenden und wertfreien Weise zu begegnen, fing an, mich selbst zu lieben und heilte so mein Inneres Kind Schritt für Schritt. Endlich bekam ich den Schutz, die Geborgenheit, die Fürsorge, die Sicherheit, das Vertrauen und die bedingungslose Liebe, nach denen ich mich mein Leben lang sehnte.

Nun muss ich, bzw. mein Inneres Kind, nicht mehr an dem schrecklichen Ort der Erinnerungen aus der Vergangenheit verweilen. Es ist vorbei. Ich habe es geschafft. Ich lebe. Und ich bin nie wieder alleine, denn jetzt habe ich mich.

Hinterfrage deine Glaubenssätze und Überzeugungen

Die größten Hindernisse für ein glückliches Leben sind Konzepte wie Angst, Groll, Kritik und Schuld. Unsere Sicht auf uns selbst und das Leben wird in frühester Kindheit geprägt und häufig hinterfragen wir diese, oft negative Sicht, nicht mehr.

Dazu ein Beispiel:

Ich hatte aufgrund meiner gewaltvollen Erfahrungen in der Kindheit die Überzeugung, dass Wut eine Emotion ist, die am besten gar nicht da sein sollte und schon gar nicht in mir. Die Glaubenssätze, immer lieb, brav und nett sein zu müssen, niemals aufzubegehren oder gar eigene Bedürfnisse anzumelden, waren seit frühesten Kindheitstagen in mir verwurzelt.

Doch nach dem erweitertem Suizid meiner Schwester waren plötzlich die aggressiven Zwangsgedanken da. Immer, wenn ich Ja sagte, obwohl ich Nein meinte, immer, wenn ich mal wieder ohne zu murren meine Grenzen von anderen überschreiten ließ, immer, wenn ich mir selbst nicht treu blieb und nicht für mich einstand, immer dann tauchten die aggressiven Zwangsgedanken auf. Die Wut in mir, die ich mein Leben lang erfolgreich unterdrückt hatte, suchte sich nun ihren Weg, um sich im wahrsten Sinne des Wortes Gehör zu verschaffen. Das, was ich nicht fühlen wollte, musste ich in meinem Kopf, in Form von aggressiven Zwangsgedanken, hören.

Erst als ich mir selbst erlaubte, dass alles da sein darf und jedes meiner Gefühle eine Daseinsberechtigung hatte, konnte ich das Bedürfnis, das in Wahrheit hinter meiner Wut und meiner Angst stand, erkennen und stillen.
Ich begann Nein zu sagen, wenn ich Nein meinte. Ich sagte Ja, wenn ich Ja sagen wollte. Ich lernte mich und meine Bedürfnisse ernst zu nehmen und mich liebevoll für mich selbst einzusetzen.

Im gleichen Zuge verschwanden meine aggressiven Zwangsgedanken. Sie lösten sich auf, da ich von nun an liebevoll für mich selbst einstand, mir selbst treu war und erkannt hatte, dass auch Wut eine Emotion ist, die in mir sein darf.

Meine Krankheit – Mein größtes Geschenk

Inzwischen bin ich in der glücklichen Lage, alles – und damit meine ich wirklich ALLES – positiv zu bewerten. Manchmal muss man erst durch das tiefste Tal gehen, wenn man den Gipfel erklimmen möchte. Alles, was es dazu braucht, ist die Bereitschaft, sich seinen eigenen „Dämonen“ zu stellen und zu verstehen, warum sie da sind.

Keine Krankheit ist jemals gegen dich oder versucht, dir das Leben schwer zu machen. Ganz im Gegenteil. Jede Krankheit und jedes Symptom ist in Wahrheit ein Geschenk. Ein Versuch deiner Seele, auf eine innere Dysbalance aufmerksam zu machen, um zu heilen.

Ich bin unendlich dankbar, all diese Erfahrungen in meinem Leben gemacht zu haben, denn heute kann ich als Heilpraktikerin und Innere-Kind-Therapeutin viele andere Menschen auf ihrem Heilungsweg begleiten, gerade weil ich diese Erfahrungen in meinem Leben gemacht habe und selbst den Weg der Selbstheilung durch Selbstliebe gegangen bin.

Meine wertvollsten Erkenntnisse

Für mich waren der Verlust meiner Eltern, der Kontaktabbruch und die erlebte Lieblosigkeit in meiner Kindheit, nur schwer auszuhalten. Der Kummer, die Trauer, die Hoffnungslosigkeit und der Schmerz in mir wuchsen bis ins Unendliche. Doch als ich anfing mich selbst zu lieben, erlebte ich in mir die liebevolle Verbundenheit mit „allem was ist“. Der Zugang zur Spiritualität und die Öffnung meines Herzens, öffneten mir gleichzeitig auch das Bewusstsein dafür, dass ich auf immer und ewig mit allem liebevoll verbunden bin, auch wenn es in der äußeren, manifesten Welt vielleicht nicht den Anschein haben mag.

Im ALLEIN-SEIN fand ich das ALL-EIN-SEIN.

(Selbst-)Vergebung, (Selbst-)Liebe und (Selbst-)Vertrauen halfen mir, Frieden mit allem zu schließen und mich selbst zu befreien. Umso liebevoller ich mit mir selbst im Kontakt war, umso mehr Mut hatte ich, meinen eigenen Weg zu gehen, mir selbst zu vergeben, verständnisvoll mit mir selbst zu sein, meine eigene Wahrheit zu sprechen, mich selbst liebevoll zu beschützen, Grenzen zu setzen und mich der Welt so zu zeigen, wie ich bin.

Wir alle geben immer unser Bestes und machen es so gut, wie wir nur können.

Inzwischen arbeite ich nicht nur in meiner Praxis als Heilpraktikerin, sondern arbeite auch als Coach, schreibe Blogartikel rund um die Themen Selbstliebe, Inneres Kind, Spiritualität und Selbstheilung, halte Vorträge, gebe Workshops und 2020 habe ich das Onlineprogramm „Love Your Inner Child“ ins Leben gerufen.

Mein Anliegen ist es, den Menschen Mut zu machen und den vielen verletzten und vergessenen Inneren Kindern der Welt eine Stimme zu geben. Ich teile meine Erkenntnisse, um Menschen in ähnlichen Situationen ein Hoffnungsschimmer und Motivation zu sein, denn dann war all das, was ich erlebte, nicht umsonst.

Ganz egal woher du kommst, was auch immer du erlebt haben magst, oder was was auch immer du glaubst: Es ist nie zu spät anzufangen, dich selbst zu lieben!

Es ist an dir, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen und zum Guten zu wenden. Wenn ich es geschafft habe, kannst Du es auch.

Wenn du anfängst, dich selbst zu lieben, heilst du deine innere Welt und somit auch deine äußere Welt, denn Heilung beginnt, wenn die Liebe in dir erwacht.

Starte die schönste Reise, die es gibt: Die Reise zu dir selbst.
Alles ist gut.
Alles darf sein.
DU darfst GANZ EINFACH SEIN.

Alles Liebe,
Cora

Diesen Erfahrungsbericht durfte ich für Prof. Dr. Gerald Hüther auf seiner Internet-Plattform „liebevoll.jetzt“ veröffentlichen.

Liebevoll.jetzt ist eine Initiative, die zu einem liebevolleren Umgang mit sich selbst einlädt. Liebevoll.jetzt wendet sich an alle, die sich in ihrer Haut wohlfühlen und freier von den vielen Zwängen und Erfordernissen leben möchten, die unser Leben immer stärker beherrschen. Liebevoll zu sich selbst zu sein bedeutet, sich unabhängig von den jeweiligen äußeren Gegebenheiten wieder mit der eigenen Lebendigkeit zu verbinden. Der Wunsch von liebevoll.jetzt ist es, dass sich sehr viele Menschen davon inspirieren lassen und so eine Bewegung entsteht, die dazu beiträgt, unser aller Zusammenleben glücklicher, erfüllter und lebendiger zu machen.​

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