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#5 Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen.

Zu sehen wie unsere Kinder die ersten Schritte machen, ins Straucheln geraten und der unvermeidliche Sturz folgt, tut weh. Wir möchten unseren Kindern den Schmerz ersparen. Wir möchten ihnen nur positive, schöne Erfahrungen schenken und sie vor dem Leid und dem Schmerz, der auf sie wartet, bewahren.

Doch es kommt eines Tages der Zeitpunkt, an dem man als Mutter oder Vater feststellt, dass dies nicht möglich ist. Wir sehen uns auf die Zuschauertribüne verbannt. Unsere Hände sind gebunden und wir können nichts, aber auch wirklich gar nichts tun, um den unvermeidlichen Sturz aufzuhalten. Und das tut weh.

Hilflosigkeit breitet sich aus

Ich habe irgendwo einmal gelesen, dass wir unsere Kinder als Erweiterung unserer selbst empfinden. Wenn unser Kind leidet, leiden auch wir. Wenn unserem Kind das Herz gebrochen wird, spüren wir den Schmerz in unserem eigenen Herzen. Wenn unser Kind sehenden Auges auf eine Gefahr zusteuert, können wir vor Sorge nicht einmal mehr schlafen.

Wir fühlen uns hilflos. Machtlos. Ratlos. Manchmal auch fassungslos.
Doch wie kann ich aushalten, was ich nicht ändern kann? Wie akzeptieren, was ich nicht beeinflussen kann? Was kann ich tun?

Nimm Notiz von deiner eigenen Geschichte

Den Schmerz, die Wut oder auch die Empörung die wir spüren, wenn unser Kind strauchelt, hat immer etwas mit unserem eigenen Schmerz zu tun. Es ist unsere eigene Geschichte, die wir unser Kind wiederholen sehen. Warum ist es für dich so schwierig auszuhalten, dass dein Kind eine „negative“ Erfahrung macht? Richtig – du willst es vor dem Schmerz und Kummer bewahren, den du selbst erlebt hast. Wir sehen, wie unsere Kinder unsere eigenen „Fehler“ wiederholen. Wie sie auf die gleichen Gefahren zusteuern, wie wir damals.

Zu tief sitzt der Schmerz und die Erinnerung an unsere eigenen „negativen“ Erfahrungen, die wir uns selbst  gerne erspart hätten. Zu schmerzvoll sind die Erinnerungen an unsere eigenen „verbrannten Finger“. Unsere Seele legt den Finger in die Wunden unserer Verletzungen, die wir bis heute noch nicht geheilt haben.

Setze dich offen und ehrlich mit deiner eigenen Geschichte auseinander. Nimm wahr, dass ein Großteil der Sorgen, den du dir um deine Kinder machst, genährt wird von dem Schmerz, der mit deinen eigenen Erfahrungen verbunden ist.

Die Bewertung deiner eigenen Erfahrungen

Du hast jetzt die Möglichkeit, dir objektiv und mit inzwischen einigem zeitlichen Abstand, einzugestehen, dass deine eigenen früheren „negativen“ Erfahrungen eventuell gar nicht „negativ“ waren. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um die Bewertungen deiner eigenen Erfahrungen zu überdenken. Vielleicht ist genau jetzt der Moment gekommen, um zu verstehen, dass du deinen eigenen Schmerz loslassen und transformieren darfst.

Du bist gesprungen und niemand hat dich aufgefangen? Aber du hast überlebt! Du bist offensichtlich aufgestanden und bist weitergegangen, ansonsten wärst du heute nicht hier.

Dein Herz wurde gebrochen? Dein Herz ist noch da. Es schlägt jeden Tag für dich. Dein Herz ist robust und in der Lage, sich durch die Liebe selbst zu heilen und wieder aufzublühen, wenn du es zulässt.

Du wurdest im Stich gelassen und wusstest nicht wie du das alles alleine schaffen sollst? Genau so! Du bist einen Schritt nach dem anderen gegangen und weißt heute, wieviel Stärke und Kraft in dir stecken, denn du hast es geschafft.

Tausche Mitleid gegen Mitgefühl

Wir leiden, wenn wir unseren Fokus auf unseren erlebten Schmerz gerichtet halten, anstatt uns auf die positiven Wendungen zu konzentrieren, die sich aus der einen oder anderen Erfahrung für uns ergeben haben. Wenn wir erkennen, dass wir an unseren Erfahrungen nicht nur zerbrechen, sondern auch wachsen können, wandeln wir unser Selbstmitleid in echtes, tiefes Mitgefühl.

Jede einzelne schmerzvolle Geschichte, die uns geschenkt wurde, hat uns auf unserem
eigenen Weg ein Stück vorangebracht. Jede einzelne Erfahrung hat uns geholfen zu erkennen wer wir sind, wer wir sein wollen, welche Bedürfnisse wir haben und was uns im Leben wichtig ist.

Indem wir dies erkennen und die Geschenke des Lebens dankend annehmen, wird sich unser eigenes Leid in Mitgefühl wandeln. Unsere Erfahrungen mögen schmerzvoll gewesen sein, aber gleichzeitig auch wichtig und richtig um unseren eigenen Weg zu finden.

Wenn du deine eigene Geschichte vom Standpunkt des Wachstums und der persönlichen Weiterentwicklung betrachtest, bist du in der Lage, dir selbst echtes, tief empfundenes Mitgefühl entgegenzubringen für alles was war. Du wirst deinen Schmerz wohlwollender betrachten können und aufhören darunter zu leiden, wenn du das Geschenk des Wachstums dankend annimmst und akzeptierst, dass deine Erfahrungen dich auf deinem Weg weiter vorangebracht haben.

Lass deine Kinder wachsen und ihren eigenen Weg finden

Ich merke immer wieder selbst, wie mir leichter ums Herz wird, wenn ich die schmerzvollen Erfahrungen meiner Tochter von diesem Standpunkt aus betrachte. Die Sorgen sind nicht mehr so sorgenvoll, die Angst ist nicht mehr so beängstigend und der Schmerz nicht mehr so schmerzvoll.

Unsere Kinder mögen von uns als Erweiterung unserer selbst empfunden werden, aber wir nicht als Erweiterung von ihnen. Unsere Kinder haben ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Weg, ihre eigenen Erfahrungen. Sie haben ihre eigenen Kämpfe auszufechten und ihre eigenen Themen, die angeschaut werden wollen.

Unsere Kinder haben ein Recht darauf, ihre eigenen Erfahrungen zu machen, um daran zu wachsen. Es sind ihre Erfahrungen, ihre Chancen auf Selbsterkenntnis, Selbstbewusstsein und persönliche Weiterentwicklung. Geh nicht von dir selbst aus. Unsere eigenen Lernschritte sind nicht zwangsweise die unserer Kinder. Nur weil etwas für dich ein Thema ist, heißt es noch lange nicht, dass es auch Thema deines Kindes ist.

Du kannst deinem Kind Hilfe anbieten. Du kannst ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen. Du kannst es auf eventuelle Gefahren hinweisen. Du kannst ihm tröstend auf die Beine helfen, wenn es gestürzt ist. Du kannst und musst ihm sogar bis zu einem gewissen Alter Grenzen setzen. Aber du kannst dein Kind nicht davor bewahren, seine eigenen Erfahrungen zu machen und seine eigene Geschichte zu schreiben.

Unsere Kinder gehen ihren eigenen Weg und machen ihre eigenen Erfahrungen. Maßgeschneidert für ihre persönliche und individuelle Entwicklung. Nur so haben sie die Möglichkeit, ihr gesamtes Potential zu entdecken, das in ihnen steckt, kreative Lösungen zu finden, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Hab Geduld

„Gut Ding will Weile haben“ sagt man so schön. Also gib deinem Kind soviel Zeit wie es benötigt, um seinen Weg zu finden. Ja, vielleicht mag es immer wieder die selben „Fehler“ machen. Und ja, vielleicht fällt es immer wieder auf die selbe „Falle“ herein. Vielleicht rennt es immer wieder mit dem Kopf an die selbe Stelle der Wand, nur um jedesmal erneut festzustellen, dass es da nicht durchkommt.

Manchmal gelingen unsere Lernschritte schneller, und manchmal brauchen wir dafür etwas länger. Und manchmal stehen wir noch mit 39 Jahren da und wundern uns, wo denn jetzt hier bitte der Weg weiter geht. Aber es wird sich alles fügen, wenn die Zeit dafür reif ist.

Um einen Entwicklungsschritt zu machen ist es wichtig, die nötige innere Haltung mitzubringen, diesen Schritt auch gehen zu wollen. Wann dieser Zeitpunkt gekommen ist, kann niemand sagen. Aber er braucht definitiv Zeit. Wie ein guter Wein, der sein volles Aroma und seinen Geschmack erst im Laufe der Jahre erreicht. Er muss genauso reifen, wie die Zeit für Veränderung, Wandlung und Erkenntnis reif sein muss.

Vertraue…

  • dass dein Kind seinen eigenen Weg finden wird.
  • dass dein Kind über die nötige Kraft und Stärke verfügt, um seinen Weg zu gehen.
  • dass du deinem Kind alles an Rüstzeug mitgegeben hast, was es für seinen Weg benötigt.
  • dass dein Kind die für sich nötigen Erkenntnisse aus seinen Erfahrungen sammeln wird.
  • dass dein Kind auf seinem Weg beschützt, geführt und geleitet wird, so wie du auf deinem Weg beschützt, geführt und geleitet wirst.
  • dass dein Kind immer die Liebe und die Unterstützung spürt, die von deinem Herzen ausgeht.


Umso mehr (Selbst-)Vertrauen du an den Tag legst, umso aufrechter, zuversichtlicher und selbstbewusster wird dein Kind seinen eigenen Weg beschreiten können.

Lockere die Leine deines eigenen Schmerzes und entlasse dein Kind Stück für Stück in die Freiheit. Die Freiheit, seine eigenen Fehler machen zu dürfen, seine eigenen Erfahrungen zu sammeln und sein eigenes Leben zu leben.

Lass los, damit dein Kind laufen lernen und seinen eigenen Weg gehen kann.

Schenke deinem Kind all dein Vertrauen und deine Liebe aus der Tiefe deines Herzens. Das ist der größte Schutz, die beste Unterstützung und das wertvollste Geschenk, das wir unseren Kindern mit auf den Weg geben können.

Heilung beginnt, wenn die Liebe in dir erwacht.
Alles Liebe für dich.

Cora von der Heyden

Welche Erfahrungen hast du mit deinen Kindern gemacht? Welchen Schmerz hast du durch dein Kind in dir bereits erkannt und transformiert? Was hilft dir, dein Kind in die große weite Welt gehen und loszulassen?

Ich freue mich auf dein Feedback in den Kommentaren und tausche mich gerne mit dir auf Instagram und/oder Facebook aus.

Foto: Pixabay

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